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09. KW 2017
Der Doctor Juris mag schlecht sein, das schadet dem Publico wenig. Der Doctor Theologiae tut noch weniger schaden. Aber der Doctor Medicinae geht gleich auf Leben und Tod.
- Johann David Michaelis -
deutscher Theologe und Orientalist
* 27.2.1717 Halle an der Saale
22.8.1791 Göttingen

Kommentar zum Zitat der Woche
Februar 2017
Der Wein und die Wahrheit sind sich nur insofern ähnlich, als man mit beiden anstößt.
- Moritz Gottlieb Saphir -
österreichischer Schriftsteller
* 8.2.1795 Lovas-Berény
5.9.1858 Baden bei Wien

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Aktuelles vom 02.01.17

02.01.17 : Das Zitat des Jahres 2017

Dankbarkeit ist eine schöne Tugend,

zieret das Alter und die Jugend.

- Georg Rollenhagen - 475 Geburtstag 2017

Alle Welt spricht vom „Lutherjahr 2017“, allerdings lösen die Religionskriege der letzten 500 Jahre sehr ambivalente Gefühlen in mir aus und deshalb habe ich mich für dieses Zitat von Georg Rollenhagen als Zitat des Jahres 2017 entschieden, weil es mich an mein großes Glück erinnert und auch Ihnen vielleicht Orientierung in der erneut ausgebrochenen Finsternis geben kann.

Ich will mich jetzt einmal mit Dankbarkeit zieren.

Was für ein Glück, dass ich heute - im 21. Jahrhundert lebe. Vor 500 Jahren wäre ich vielleicht als Ketzer verbrannt worden und vor 5.000 Jahren vielleicht bei der Jagd auf ein Mammut ums Leben gekommen oder ich hätte eine Mandelentzündung, Mumps oder Keuchhusten nicht überlebt. Die Wahrscheinlichkeit, dass ich über 60 Jahre alt geworden wäre, tendierte damals, in der guten alten Zeit, gegen Null.

Was für ein Glück, dass ich in Deutschland geboren wurde. Alle Menschen, die in Deutschland leben, sind die Kirsche auf dem Kuchen der knapper werdenden Lebensmittel der Weltbevölkerung. Bevor wir Hunger leiden …

Was für ein Glück, dass meine Eltern sich gefunden haben und auf einem Schützenfest ihre Hormone nicht unter Kontrolle hatten. Was für ein Glück, dass es damals noch keine sicheren Verhütungsmittel gab! Was meine Eltern naturgemäß anders sahen, denn mein Vater brauchte noch eine Ehefähigkeitsbescheinigung vom Vormundschaftsgericht, da er noch nicht volljährig war, damit er meine Mutter heiraten durfte, worauf seine Schwiegereltern in spe mit aller Macht bestanden. Wie schön, dass alles geklappt hat.

Welchen glücklichen Zufällen haben Sie es zu verdanken, dass Sie gezeugt wurden und was hat Sie nach Deutschland verschlagen oder hat dafür gesorgt, dass Sie in Deutschland geboren wurden und nicht in Nordkorea, Somalia oder Afghanistan? Und das Schlimme an dieser Aufzählung ist, dass Sie wahrscheinlich weitere 100 Staaten kennen, in denen Sie ebenfalls nicht das Licht der Welt als erstes sehen möchten. Die Welt ist ebenso traurig wie jede Lotterie: „So wenige Gewinne und so viele Nieten!“ Und Sie und ich haben nur einmal in die große Lostrommel gegriffen, wenn das kein Glück ist!

Was für ein Glück, dass ich 1955 geboren wurde, zehn Jahre nach Ende des 2. Weltkrieges. Ich durfte helfen den Mief der Adenauer-Zeit zu überwinden, aber ich musste mich nicht mehr mit den Nazi-Mördern rumschlagen und Deutschland respektive Europa befreien. Mir wurde die Freiheit - wie auch Ihnen - geschenkt. Für die 68er-Generation war ich zu jung, und trotzdem war es aufregend in den 1970er Jahren für jedes Stück Freiheit zu kämpfen. Die Amerikaner haben 1969 mit der Mondlandung den Glauben an die Grenzenlosigkeit von Technik und Wissenschaft in die Welt gebracht. Herrlich, alles war aufregend und neu, und die Botschaft lautete „Du kannst alles erreichen, wenn du es wirklich willst.“ Heute sind Begriffe wie „Freiheit“, „Demokratie“ und „Frieden“ für viele Jugendliche anscheinend „normal“ und „uncool“. Ich hoffe sehr, dass sich alle denkenden Menschen gegen Despoten und „Feinde der Freiheit" auflehnen, bevor es zu spät dafür ist. Wenn nicht jetzt wann dann? Wenn ein Braunhemd von der AFD zum Bundeskanzler gewählt werden soll? Oder wenn Marine le Pen als französische Präsidentin vereidigt wird? Ein Trump in der westlichen Welt genügt!

Was für ein Glück, dass ich in einem Land lebe, dass nicht perfekt ist. Ja, die vielen kleinen Ärgernisse machen das Leben beschwerlich, aber sie erinnern mich täglich daran, dass ich selbst für Verbesserungen kämpfen muss und mich nicht auf Politiker oder allgemein auf andere Menschen verlassen kann. Der alte Sponti-Spruch: „Die beste Stelle, eine helfende Hand zu finden, ist am Ende des eigenen Arms.“ stimmt immer noch. Sie ärgern sich über das Schlechte in der Welt? Gut so, denn Sie wurden geboren die Welt zu verbessern!

Dankbarkeit! Haben Sie nicht auch manchmal das Gefühl, dass zu viele Menschen undankbar sind und Sie, Sie persönlich als Mensch, nicht mit dem nötigen Respekt behandelt werden? Bestimmt haben Sie auch schon einmal einen solchen Gedanken gehabt, denn jeder Mensch ist der Mittelpunkt seiner Welt und bewertet die Handlung anderer Menschen hinsichtlich seiner persönlichen Betroffenheit. Leider denken viele Menschen zu pessimistisch und bewerten negative Erlebnisse gleich als „das war Absicht von XY“. Bei positiven Ergebnisse war es dann entweder Zufall oder die eigene, persönliche Leistung. Glückliche Menschen bewerten alle Ereignisse, egal ob sie sich positiv oder negativ auswirken. als zufällig, und können deshalb negative Erlebnisse besser verarbeiten und positive tiefer genießen. Wer in allen Ereignissen den positiven Kern findet, lebt bereits in einer besseren Welt und sieht ihrem Ende (in ca. 4,5 – 5 Mrd. Jahren) glücklich und zufrieden entgegen.

Das vergangene Jahr war für mich sehr wechselhaft, man könnte sogar launisch sagen und trotzdem war es ein wunderbares Jahr. Ich durfte auf meinen Seminaren erneut viele tolle Menschen kennenlernen und vertraute Gesichter begrüßen. Fünf Personen habe ich durch schwierige Situationen mit Ihren Chefs gecoacht und zum ersten Mal waren die Frauen in der Überzahl - auch eine schöne Erfahrung. Leider scheint das Niveau der Führungskräfte in Deutschland zu sinken, denn so leicht wurde es mir lange nicht mehr gemacht. Eine Firma - ein Strukturvertrieb - versucht den Niedergang mit Methoden der Mitarbeiterführung aufzuhalten, die in den 1980er Jahren schon nicht geholfen haben. Und damals war die Angst der Mitarbeiter vor Arbeitslosigkeit sehr viel höher als heute, verrückt, auch der größte Blödsinn erlebt noch seine Renaissance.

Gute Mitarbeiterführung heißt nicht, dass der Mitarbeiter fragt: „Wie hoch und wie weit?“ wenn Sie ihm zurufen: „Spring!“ sondern dass Sie gute Antworten haben, wenn er fragt: „Warum?“ Das Selbstverständnis, dass der Vorstandsvorsitzende der erste Diener seiner Mitarbeiter ist, scheint in vielen Firmen, in denen der schnöde Mammon angebetet wird, auf der Strecke geblieben zu sein. Aber das Schöne daran ist, dass ich mir keine Sorgen um die Zukunft machen muss. Wo gestritten wird, kann ich helfen!

Noch dankbarer wäre ich allerdings, wenn sich alle Menschen für eine prägnante Rhetorik interessieren würden, um in alltäglichen Situationen eine bessere Figur abzugeben, denn dann müsste ich nicht so häufig die Scherben zusammenfegen und aufräumen. Natürlich dürfen Sie immer zu mir kommen, auch wenn das Kind bereits in den Brunnen gefallen ist, lieber würde ich allerdings mit Ihnen zusammen eine Abdeckung für den Brunnen bauen.

Ich hoffe für Sie, dass Sie ähnlich gute Gedanken haben, wenn Sie das vergangene Jahr Revue passieren lassen und dass Ihre Hoffnungen und Wünsche für 2017 durch die Realität deutlich übertroffen werden!

Mit den besten Wünschen für ein gesundes, glückliches und erfolgreiches 2017 und dass Sie die ersten Wochen auch ohne meine Wünsche gut überstanden haben.

Ihr Günter Seipp

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